Ein klein wenig Geschichte

Im Gründungsjahr ist noch gut die ursprüngliche Bestimmung des heutigen Spielorts erkennbar: Es war schlicht und einfach ein SteinbruchÜber 85 Jahre Theater im Freien - das sind über 170 Theaterinszenierungen mit über 1 Million Besuchern. Theater ist auch immer ein Spiegel der Gesellschaft mit ihren jeweiligen unterschiedlichen Strömungen und politischen Verkettungen. Diese Wechselwirkung ist auch in Bezug auf die Porta-Bühne festzustellen. So war ausgerechnet 1928, das Gründungsjahr der Freilichtbühne ein schicksalsreiches Jahr. Es war der Höhepunkt der Goldenen Zwanziger, kurz vor der jähen Wende der Weltwirtschaftskrise.

 

 

1932 wurde an der Freilichtbühne erstmals Wilhelm Tell aufgeführt1928 - 1945

Die sozialistisch-gesellschaftskritischen Strömungen der Theaterkultur wurden durch die Jugendbewegung unterlaufen, die zur gleichen Zeit anderen Zielen dienend weite Kreise der Bevölkerung erfasste. Natur- und Landschaftserleben, Rückbesinnung auf Werte der Ahnen, Liebe zum Volk und deutscher Wesenheit waren Antriebsmomente, die auch die Gründer der Porta Freilichtbühne bewegten und die für die Stückauswahl der ersten Jahre entscheidend wurden. Der Name "Heimatspiele" war zugleich auch Programm dieser Einrichtung.


Nach der Gleichschaltung durch das Propagandaministerium wurden nur noch Stücke aufgeführt, die Werbeträger der NS-Ideologie waren. Über die Theateraufführungen hinaus wurde die Bühne mehrfach als Versammlungspunkt NS-staatlicher Veranstaltungen, wie z.B. der Grundsteinlegung des nie vollendeten Schlagether-Denkmals auf dem Jacobsberg, genutzt.


Dem Namen Goethes verpflichet: Die Nibelungen von 19551946-1959

In der Vorkriegszeit war die Freilichtbühne eine Einrichtung des Jugendwohlfahrtausschusses der politischen Gemeinde Barkhausen, also gewissermaßen eine halbstaatliche Einrichtung. Bei der Wiedergründung der Bühne nach dem Kriege im Jahre 1954 setzte man auf Unabhängigkeit in der Trägerschaft eines eingetragenen Vereins.

Im Spielplan fühlte man sich zunächst dem Namen Goethes verpflichtet und setzte sein Freilichtdrama "Egmont" auf den Plan. Konsequent auf der Richtungslinie der Adenauer-Jahre erschienen anschließend wiederum die "Nibelungen", "Faust", "Wilhelm Tell", "Götz von Berlichingen", aber erstmals auch die unverfänglichen Shakespeare-Komödien "Was Ihr wollt", "Die lustigen Weiber von Windsor" und "Wie es euch gefällt" auf den Spielplan.

Keine Experimente! - Doch der einsetzende Besucherrückgang musste gestoppt werden. Als wirksames Mittel erwiesen sich die seit 1961 gespielten Märchen der Gebrüder Grimm, sehr liebevoll inszeniert.


Wo ist er hin? Der gestiefelte Kater kam 1961 zur Freilichtbühne"1960-1969

Auch im Abendspielplan wurde jahrelang nach neuen Wegen gesucht, um den ständigen Besucherrückgang aufzufangen. Man entschied sich, die Klassiker abzulösen. Auf "Jungfrau von Orleans", "Die Räuber", "Ein Sommernachtstraum" folgten "Die drei Musketiere", "Robin Hood", "Ledersstrumpf" und "Das Wirtshaus im Spessart".

 

 

Auch 1974 schon Liebling der Kinder: Pippi Langstrumpf1970-1979

Ab Mitte der 70er Jahre wurde auf anspruchsvolle Unterhaltung gesetzt. Höhepunkte waren
"Die Dreigroschenoper" 1978 und 1984,
"Ritter von Mirakel" 1980/81,
"Anatevka" 1983/84,
"Mutter Courage" 1990,
"Andorra" 1993,
"Nathan der Weise" 1995,
"Amadeus" 1997.

Das Kindertheaterprogramm zeichnete sich seit den 70er Jahren durch konsequente Abkehr vom traditionellen Märchenstoff aus: "Pippi Langstrumpf", "Die kleine Hexe", "Tom Sawyer", "Pinocchio", "Klaus Klettermaus", "Hotzenplotz", "Die Schatzinsel", "Das Dschungelbuch", "Die Schöne und das Biest" und "Ronja Räubertochter" waren Stücke, die Tausenden von jungen Besuchern Freilichttheater in anerkannter Porta-Qualität näher brachten. Viele Aufführungen waren schon Monate im voraus ausverkauft.

Gesellschaftlicher Zündstoff: Die Dreigroschenoper, inszeniert 19841980-1989

Doch nicht nur im Freien machten die Akteure der Porta-Bühne Theater. Auch im Innenraum wurde und wird seit vielen Jahren regelmäßig sowohl Kindertheater als auch Theater für Erwachsene gespielt. In der Stadt Minden sind Amateuraufführungen von bissigen und zeitkritischen Studiostücken fester Bestandteil des Kuturlebens. So hat die Freilichtbühne Porta Dario Fo in Minden bekannt gemacht. "Das Tagebuch der Anne Frank" und "Einer flog über das Kuckucksnest" waren stets ausverkaufte Renner.

Schon 1985/86 wurde brandaktuelle Kroetz-Stück "Furcht und Hoffnung der BRD" gezeigt. 1989 folgte "Die Palästinenserin" von Sobol. Dies zeigt, dass die Freilichtbühne Porta mit der Auswahl ihrer Stücke mitten in der Tagesaktualität steht und sich nicht scheut , auch heiße Eisen anzufassen und sich darüber mit dem Publikum auseinanderzusetzen.

Wirbelte gleich zweimal über die Bühne. Die exzentrische Variante des Komponisten Mozart1990-1999

In den Neunziger Jahren hat die Freilichtbühne ihr Programm gefunden. Die Stückauswahl reicht von Klassikern wie Lessings "Nathan der Weise", über die Fast-Klassiker wie Dürrenmatts "Die Physiker" bis hin zu bei den Kindern beliebten Stücken wie "Cinderella" oder "Die kleine Hexe".

Petes Shaffers Rückblick auf das Leben des Wolfgang Amadeus Mozart scheint dem Publikum besonders ans Herz gewachsen zu sein. "Amadeus" wird gleich zweimal aufgeführt, zunächst im Winter im Kulturzentrum BÜZ und dann anschließend im Sommer an der Freilichtbühne Porta.

Zum Jubiläum Goethe: Faust begeistert im Winter 2004 Publikum und Kritiker zugleich2000-

Aufwendige Produktionen wie "Der Name der Rose" oder Goethes "Faust" zeigen, dass die Freilichtbühne Porta sich im neuen Jahrtausend auch großen Herausforderungen stellen kann.

So lässt sich für die Zukunft vielleicht folgendes festhalten:

So wie bei festen Körpern durch die Reibung Wärme erzeugt wird, kann auch das Theater durch Widerstand und Reibung Energie freisetzen und neue schöpferische Kräft und Phantasien hervorbringen.

In diesem Sinne sollte weitergearbeitet werden.

Wilhelm Krückemeier